Haben Hamster menschliche Verhaltenszüge?

  • Kann ein Hamster den KG bewusst ärgern / necken? Hat ein Hamster Schuldbewusstsein?


    Ich habe eine Frage zum Verhalten meiner kleinen Dsungi-Dame Chelsea und wollte mich mal umhören, ob Ihr schon einmal ähnliches erlebt habt.
    Chelsea ist ein total lieber und zahmer Hamster. Sie ist 1 Jahr alt, sehr neugierig und zutraulich und lässt sich ohne Probleme anfassen, hochnehmen und z.B. in den Auslauf setzen.


    Wenn sie meinen Mann oder mich im Zimmer bemerkt, wird sie ganz hibbelig und läuft aufgeregt hin- und her, stellt sich auf die Hinterbeine oder kratzt an der Scheibe, um auf sich aufmerksam zu machen und Leckerchen abzustauben. Wenn man ihr etwas zu Fressen ins Aquarium hält, wird sie noch aufgeregter und kommt direkt angerast, reißt das Futter aus der Hand oder versucht, auf die Hand zu klettern oder sich am Ärmel hochzuziehen.


    Seit ein paar Monaten zeigt sie ab und zu ein sehr seltsames Verhalten, was wir nicht so ganz verstehen. ?(
    Manchmal, wenn sie uns gerade bemerkt hat und ihre „wilde“ bzw. aufgeregte Phase hat, passiert es, dass sie beim Mehlwurm-ins-Aquarium-halten einen richtigen Sprung macht und nicht den Wurm greift, sondern mit den Pfoten einen Finger oder die Hand packt und leicht zubeißt. :dichfressen: Richtig fest beißen tut sie nicht, sondern sie schnappt nur ein wenig und lässt auch bald wieder los, ohne dass es blutet. Da sie einen dabei aber richtig anspringt, erschrecken wir meistens ziemlich und bewegen die Finger und schimpfen mit ihr. Danach sitzt sie vor uns, zieht die Schultern hoch und zischelt vor sich her und macht ein leises „zzzzzzzz“-Geräusch wie eine Schlange. Nach ein paar Augenblicken ist alles wieder gut, sie nimmt den Wurm oder hüpft auf die Hand und ist total lieb.


    Gestern war es ähnlich. Als ich Futter verteilt habe, kam sie aufgeregt angerannt, ich habe ihr den Rodipet-Löffel mit ein bisschen Futter hingehalten, auf den sie sich begeistert gestürzt hat. Und einen Moment später lässt sie den Löffel los, springt an meiner Hand hoch und umgreift mit den Pfoten meine Finger, die den Löffel festhalten, und beißt leicht zu. Ich habe mich natürlich ziemlich erschrocken und sie leicht weggestupst und etwas geschimpft und dann saß sie wie ein Häufchen Elend vor mir und hat gezischelt. Danach war wieder alles gut und sie war zahm wie immer.


    Was meint Ihr, kann das sein?
    Kann es sein, dass sie vielleicht nicht mehr so gut sehen kann und die Finger mit einem großen Leckerchen verwechselt? Oder kann es sein (den Verdacht habe ich zur Zeit), dass sie das extra macht wie ein Spiel oder wie ein Necken des KG? :pieks: Ist das möglich oder können sich Hamster nicht so menschlich verhalten?


    Bedroht oder ängstlich fühlt sie sich meiner Meinung nach nicht, das hört sich anders an (ich habe mal einen Streu-Hügel im Aqua platt gemacht, unter dem sie sich eingebuddelt hatte, da hat sie ziemlich laut geschimpft und gequietscht, das war anders). Es passiert nur, wenn sie gerade aus ihrer Höhle kommt und wir sie mit einem Leckerchen begrüßen, ziemlich am Anfang einer Begegnung zwischen ihr und uns.


    Bei diesem Zischel-Geräusch und ihrer Körperhaltung nach dem Wegstupsen und Schimpfen wirkt sie richtig geknickt und schuldbewusst. Ist das möglich oder bilde ich mir das ein?


    Sehr lustig, aber auch sehr mysteriös… :love:


    Liebe Grüße,
    Maike

  • Hallo Maike,


    zwar glaube ich eigentlich nicht, dass Hamster Schuldbewusstsein oder so etwas wie "ein schlechtes Gewissen" haben können - doch wer weiß, auch bei Felix hatte ich einmal diesen Eindruck.


    Felix hatte am frühen Morgen augenscheinlich versucht auszubrechen, und dabei seine beiden kleinen Ecktoiletten im Sandbereich aus den Ecken hervorgezerrt, und dabei eine davon sogar richtig auf den Kopf gestellt. Das Herumschieben der Tois über Sandkörner auf dem Gehegeboden hatte in der stillen Wohnung einen Höllenlärm erzeugt, ich war gerade aufgestanden und ging sofort nach unten, um nachzusehen, wer da so einen Krach macht.


    Ich stehe IMMER ungefähr zu dieser Zeit, mit einer Varianz von +/- einer Viertelstunde. Felix ist nicht scheu und absolut daran gewöhnt, dass ich morgens zu ihm, Cleo und Leyla herunterkomme, er unterbricht dann allenfalls sein Radeln oder sonstiges Tun, um kurz aufzuhorchen und macht dann ungerührt noch eine Stunde weiter.


    Diesmal allerdings sah ich nur noch den Hamsterpopo in seinem Schlafhaus verschwinden. Was hat ihn ausgerechnet an diesem Tag "aufgeschreckt" oder sonstwie bewogen, sich bei meinem Erscheinen zu verkrümeln? Nach einer gewissen Zeit war er dann wieder da...



    Fritzi, die als ganz junger (und winziger) Hamster mit 5 Wochen zu uns kam, war von Beginn an zutraulich und fand unsere Hände immer ganz toll, sie wurden stets neugierig beschnuppert, und es gab keinerlei Berührungsängste. Ein paar Wochen später gab es aber so eine Phase, wo ich Fritzi buschstäblich dauernd am Finger hängen hatte. Nie wurde mein Finger richtig getackert, es war eben nur ein bisschen Zwicken ohne jegliche Verletzung. Ich weiß nicht, ob das nun spielerisches Necken war, oder versuchsweise Aufmüpfigkeit eines Junghamstermädchen im Flegelalter. Diese Phase hielt nicht lange an.



    Und bei Coco - Vermenschlichung hin, Vermenschlichung her - hatten wir sowieso ständig das Gefühl, dass sie sich mit uns absolut auf Augenhöhe (mindestens :whistling: ) wähnte...

  • Hallo!
    Ehrlich gesagt denke ich, dass wir Tieren keinen Gefallen tun, wenn wir sie vermenschlichen und uns das auch in der Interpretation ihres Verhaltens kaum weiterbringt.
    Grade der Hamster, als (zumindest zum großen Teil) solitär lebendes Tier hat nunmal einfach mit dem Menschen wenig an Verhalten gemein. Ich denke nicht, dass ein Hamster mit einem Menschen spielt und schon gar nicht, dass er so ein umfangreiches Bewusstsein aufbaut, das für die Handlung, die du in diesem Zwicken siehst, nötig wäre.
    Von meinen Tieren kenne ich auch Phasen, in denen sie plötzlich mal kneifen o.ä., oft sind ja z.B. Hamster bei Einzug sehr zahm und werden dann nach einigen Tagen oder Wochen schreckhaft, was auch zu Bissigkeit führen kann. Der Dsungi von NG hat bestimmt ein halbes Jahr lang immer wieder stark gebissen ohne bedrängt zu werden, sie kam dafür zum Teil vom anderen Ende des Geheges angerannt, mein Campbell beißt mich sowieso ständig..
    Für mich klingt die beginnende Blindheit eher realistisch als Grund. Aber nicht, weil sie nicht mehr erkennt, was ein Finger ist (Hamster orientieren sich nur in geringem Maße über das Sehen), sondern weil damit oft eine höhere Unsicherheit einher geht. Aber gibt es denn Anzeichen für Blindheit? 1 Jahr ist ja nun nicht alt. Das Zischeln würde ich eher als Abwehrreaktion verstehen, Hamster äußern ja nur sehr selten Laute und wenn dann meist in Situationen, in denen sie Angst oder Schmerzen haben.
    Du schreibst ja, das kommt vor allem in Situationen vor, in denen sie aufgeregt wirkt, ihre wilde Phase hat. Vielleicht ist das ja wirklich einfach eine Übersprungreaktion, weil sie weiß, dass es gleich in den Auslauf geht oder sonst etwas tolles passiert.
    Caterina

  • Grade der Hamster, als (zumindest zum großen Teil) solitär lebendes Tier hat nunmal einfach mit dem Menschen wenig an Verhalten gemein. Ich denke nicht, dass ein Hamster mit einem Menschen spielt und schon gar nicht, dass er so ein umfangreiches Bewusstsein aufbaut, das für die Handlung, die du in diesem Zwicken siehst, nötig wäre.

    Hallo


    rein zufällig bin in diesen Beitrag gelangt und musste echt schmunzeln als ich dies hier
    gelesen habe.


    An und für sich schreibe ich im Forum eher wenig, da es (fast) niemanden gibt, der
    seit nunmehr fast 10 Jahren rund um die Uhr in einer Wohngemeinschaft mit Hamstern
    lebt. Denn die bei dieser "Hamster-Freilandhaltung" gewonnenen Erfahrungen,
    Erkenntnisse und die Einblicke in das Verhalten und in die Gedankenwelt unserer
    Goldhamster sind nicht vergleichbar mit denen von "Käfighaltung + Freilauf".


    Geschmunzelt habe ich daher, weil unsere Hamster viel mit dem Menschen an Verhalten
    gemein haben.


    Die Kleinen sammeln ihre Erfahrungen und ziehen ihre Lehren daraus.


    Ein paar Beispiele:
    Unsere Hamsties Bonnie, Lena, Emma sind einmal früher aufgestanden als wir dachten
    und sind dadurch in die noch nicht abgesperrte Küche gelangtl


    Die Erfahrung:
    "Da ist es schön... da will ich wieder hin ... so schön dunkel ...da baue ich ein Nest".
    Die Folge:
    Am nächsten Tag und in den darauffolgen Tagen, standen Sie mit dicken Backen
    (Vorräte+Nestmat) vor der Küchenabsperrung und versuchten vehemment dort
    reinzukommen.




    Bonnie zwickt uns ab und zu, wenn wir ihr z.B. helfen wollen auf den Elefantenfuss zu
    gelangen. "Lass das, ich kann das alleine."



    Die Hamster fragen uns, wenn Sie in die Küche wollen.


    Sie hören wenn wir aufstehen und kommen angelaufen und fordern uns auf
    "Spiel mit mir ..... unternimm etwas ...mir ist langweilig usw. usw. usw."




    Es gibt noch viele Beispiele ......................


  • Geschmunzelt habe ich daher, weil unsere Hamster viel mit dem Menschen an Verhalten
    gemein haben.


    Die Kleinen sammeln ihre Erfahrungen und ziehen ihre Lehren daraus.


    Das ist doch kein menschliches Verhalten, sondern eines, das jedes Tier zeigt. Lernen ist kein auf den Menschen beschränkter Prozess von daher könnte man eher sagen, es ist etwas, das der Mensch mit allen anderen Tieren gemeinsam hat, aber nicht, dass es ein menschliches Verhalten ist, das auch Hamster zeigen.


    Hier war die Frage, ob ein Hamster einen Menschen ärgern kann, allein um ihn zu ärgern, also nicht sich zu wehren, wenn ihm etwas nicht passt. Und die Frage nach dem Selbstbewusstsein wurde gestellt. Ich denke immernoch, dass man das verneinen kann.
    Caterina

  • Um menschliche Verhaltenszüge zu zeigen, brauchen Hamster etwas, das nur den Menschen zu eigen ist- die Vernunft. Kant z.B. deklariert den Menschen als Vernunftwesen, als etwas, was nur der Mensch und kein Tier hat. Tiere sind leidensfähig, können jedoch nicht vernünftig oder nach freiem Willen handeln.


    Damit Tiere wie der TE hier einwirft seine KG necken kann, müsste ein Hamster denke icch aifmirgendeine Art und Weise Humor haben. Er müsste verstehen, dass sein Zwicken oder Anspringen die Botschaft übermittelt: "Hey, ich bin frech!". Das wiederum würde enorme kognitive Fähigkeiten voraussetzen! Man muss es sich mal andersrum vorstellen: Der Mensch tut sich schon schwer, die teils primitiven Verhaltnsweisen von Tieren zu interpretieren. Wie sollte ein Hamster es schaffen, eine so derart komplexe Verhaltensweise wie Humor bzw. das "Necken" zu verstehen und selbständig einzusetzen?


    Ich beobachte auch ab und zu "menschliches Verhalten" bei meinen Tieren, sei es das pünktliche an der Scheibe Stehen oder das Betteln. Sehr menschlich scheint auch der Sinn meines Hamsters zu sein, jegliche Ausbruchsmöglichkeit im Auslauf zu entdecken und zu nutzen. Letztendlich sind all das aber keine intelligenten Leistungen, sondern das Produkt von Instinkten und Konditionierung (vgl. Pawlowscher Hund).


    Ich würde mich auch freuen, wenn meine Tiere wirklich menschluches Verhalten zeigen würden. Aber ich denke, das sind einfach Fehlinterpretationen des Menschen... Nur meine Gedanken ^^

  • Direkt menschliches Verhalten...hm,

    brauchen Hamster etwas, das nur den Menschen zu eigen ist- die Vernunft

    Ist es das, was menschliches Verhalten ausmacht? Ich kann nur sagen, dass meine zwar wohl den Kontakt zum Menschen suchen/gesucht haben, aber doch nur, weil das Aufmerksamkeit, Futter, Auslauf, usw bedeutet.

    letztendlich sind all das aber keine intelligenten Leistungen, sondern das Produkt von Instinkten und Konditionierung

    Genau das konnte ich auch schon Beobachten: mein Mika ist wirklich sehr lernfreudig und liebt es, geistig ausgelastet zu werden. Neulich rannte er unter den Beinen eines kleinen Stofftiers hindurch und sah mich dann an: War das gut? Bekomme ich jetzt etwas? Ich belohnte ihn. (Er machte das von sich aus.)
    Dann stellte ich ihm einen kleinen Plastikhund hin und lies ihn darüber klettern (dieses mal mit Anweißung), was er auch tat. Direkt im Anschluss lief er wieder zum Stofftier, aber dieses mal lief er nicht unten durch sondern begann, auf das Stofftier draufzuklettern-dafür war er ja eben auch belohnt worden bei der vorigen Übung.


    Was hat Mika gelernt? Das Erste machte er von sich aus und wurde belohnt, das Zweite wurde angewieden und wiederum belohnt. Das Dritte machte er wieder von sich aus, aber dieses mal so, wie er ees gezeigt bekommen hatte, obwohl er selbst eine andere Idee ursprünglich gehabt hatte.


  • Zitat von »sebo«
    brauchen Hamster etwas, das nur den Menschen zu eigen ist- die Vernunft
    Ist es das, was menschliches Verhalten ausmacht?


    Das Thema dieses Threads ist zweifellos hochinteressant. Allerdings ist es unbedingt erforderlich, dass man eine Übereinkunft erzielt, was man überhaupt mit "menschlichen Verhaltenszügen" - exakt so lautet es in der Fragestellung, "menschliches Verhalten" ist schon wieder eine etwas andere Formulierung - meint. Die Frage ist also, ob Tiere - in diesem Fall Hamster - Ansätze von etwas zeigen, das man beispielsweise so definieren kann, dass es genau dasjenige ist, was den Menschen eben vom Tier unterscheidet. Das könnte etwa die bereits angesprochene Vernunft (beim Menschen bekanntlich äußerst rudimentär ausgebildet und gelegentlich nur in Ansätzen erkennbar :whistling: ) sein, Kultur, Technik und Zivilisation, von dem ganzen ethisch-moralischen Überbau mal ganz zu schweigen (aus letzterem ließen sich sicher auch ein paar nette Diskussionsthemen ableiten, etwa: sind Hamster eher Christen, Juden, Moslems oder Buddhisten? Verzeihung... :duck: )


    Streng genommen ist damit die Frage schon a priori und per definitionem beantwortet, nämlich mit einem klaren NEIN. So kommen wir nicht weiter. Nimmt man es nicht so streng, bleibt vielleicht eine Grauzone übrig, in der vielleicht winzigste Ansätze zu "menschlichen Verhaltensweisen" erkennbar werden.


    Dabei muss man sich aber im Klaren sein, dass wir geneigt sind, alles durch die menschliche Brille zu sehen. In meinen Hamstergeschichten von Coco bis Cleo gehöre ich ja allgemein zu denjenigen, die heftig vermenschlichen (ich hoffe, das Augenzwinkern kommt dabei rüber). Existiert also so etwas wie "menschlichen Verhaltenszüge" allein im Auge des Betrachters?


    Meine Ansicht ist, dass man es sich so einfach dann auch wieder nicht machen kann. Nun bin ich garantiert ganz weit weg von irgendwelchen Kreationisten US-amerikanischer Prägung (womit wir wieder beim Thema der bisweilen vollkommen fehlenden Vernunft wären) und habe nicht vor, die Schöpfungsgeschichte wortwörtlich zu nehmen. Evolutionär betrachtet sind wir auch nur Säugetiere, und als solche steht uns ein Nagetier - ebenfalls Säuger - zweifellos wesentlich näher als ein Krokodil, ein Papagei, eine Ameise oder ein Karpfen.


    Und der menschliche Verstand ist auch nicht einfach so vom Himmel gefallen. Er hat dem Menschen erst eine Art "Evolution zweiten Grades" ermöglicht, die ihn (zeitweise) zur führenden Spezies auf unserem Planeten gemacht hat (von den Bakterien natürlich mal abgesehen...). Zarteste Ansätze dazu könnten aber auch schon bei anderen Arten vorhanden sein. Aber: "in den Kopf gucken" und Gedanken lesen kann man weder einem anderen Menschen, noch einem Tier.


    Wenn ich über einen Sachverhalt - wie etwa dieses Thema - nachdenke, tue ich das in deutscher Sprache. Ebenso wird sich die Gedankenwelt eines Portugiesen in Portugiesisch darstellen, eines Japaners in Japanisch u.s.w. Derart komplex wird die Gedankenwelt eines Hundes, einer Katze oder eines Hamster wohl kaum sein; wieviel davon ist aber möglicherweise in Ansätzen schon vorhanden? Viele Tiere haben immerhin eine ganze Palette an Lautäußerungen (beim Hamster sieht es da ja ein bisschen mager aus), kommunizieren aber auch über andere Kanäle, die uns Menschen fast vollkommen verschlossen bleiben, z.B. feinste Gerüche.


    Ausformulierte Gedanken stellen aber nur oberste Schicht, das als so wichtig angesehene "bewusste Denken", dar. Jüngst hat die Forschung diesem einen vehementen Schlag versetzt; man hat herausgefunden, dass das Unterbewusstsein bereits Entscheidungen fällt, während der bewusste Teil des Verstandes noch darüber nachgrübelt. Am Ende meinen wir, wir hätten "bewusst entschieden", aber Pustekuchen: das Unterbewusste hat schon vorher die Weichern gestellt! So weit her ist es also mit unserem großartigen menschlichen Bewusstsein gar nicht....


    Es ist ja hier schon angesprochen worden, dass sich Verstandesleistung auch in der Lernfähigkeit eines Lebewesens offenbart. Persönlich bin ich dagegen, den Verstand eines Tieres wie etwa des Hamsters alleine als "Programm" zu verstehen, und das Lernen als eine dem Programm eigene Fähigkeit zur Selbstoptimierung. Rein mechanische Konditionierung, Gewöhnung durch permanente Wiederholung, Dressur - das ist es vielleicht nicht allein. Mit welcher Berechtigung wollen wir einem Hamster ein Aha-Erlebnis völlig absprechen, und mag es nur ein winzigkleines Fünkchen, ein magerer Abklatsch eines großartigen menschlichen Aha-Erlebnisses sein?


    Eine Reihe von Fotos in den Hamstergeschichten zeigen Fellnasen, die die gläsernen Schiebetüren ihres Geheges mit Pfoten, Zähnen und Zunge :love: aufzuschieben versuchen (hoffentlich meist vergeblich). Bei uns hat das noch keiner versucht - schließlich haben unsere beiden Gehege keine Schiebetüren, dafür werden die "Insassen" nach oben durch den hochgeklappten Deckel herausgehoben. Folglich haben sich unsere Hamster, wenn sie raus wollen, immer nach oben orientiert. Mit großer Sicherheit enthält die Begriffswelt eines Hamsters kein Gegenstück zu unseren menschlichen Begriffen "Schiebetür" und "Gehegedeckel" - denn beides kommt in der Natur nicht vor -, und ich würde auch nicht wagen zu behaupten, dass ein Hamster deren Funktionsweise mit der gleichen Klarheit zu begreifen imstande ist wie ein Mensch. Aber das Wesentliche an der Situation scheint er ja wohl irgendwie kapiert zu haben: "Ich bin drin" und "Ich will raus!" folglich "Die Scheibe muss weg!" bzw. "Durch den Deckel geht's raus!" (wobei ich damit nur die elementaren Sachverhalte beschreiben und keineswegs die philosophische Tiefe des "Ich"-Begriffs beim Tier ausloten will!).


    Vielleicht müssen wir die Frage anders formulieren? Etwa so: was an den Verhaltensweisen unseres Hamsters kommt uns menschlich vor?


    Dabei sollten wir vielleicht noch folgendes berücksichtigen: Hamster sind Beutetiere und dürften als solche in der freien Natur unzähligen Gefahren ausgeliefert sein. Dazu kommt natürlich noch die Notwendigkeit der Nahrungssuche. Es geht permanent um die nackte Existenz. Davon kann bei unseren Haustieren nicht ansatzweise die Rede sein. Sie haben unglaublich viel Freizeit, verglichen mit ihren frei lebenden Artgenossen. Wie gehen sie damit um? Kann man über diese Schiene womöglich Vergleiche Mensch-Hamster anstellen?


    Ein weiterer Gesichtspunkt: der Hamster ist nunmal ein Einzelgänger und als solcher jeglichen Herden-, Rudel- oder Schwarm-Verpflichtungen entbunden. Dadurch kann er in relativ hohem Maße und ungestraft Marotten ausbilden, zumindest solange ihn dies nicht elementar gefährdet. Wer liebt sie nicht, unsere manchmal recht verschrobenen Charakterhamster?


    Vor diesem Hintergrund meine ich bei unseren Hamstern große Unterschiede im Umgang mit der großzügig bemessenen Freizeit beobachtet zu haben, die womöglich auch etwas mit der individuellen Intelligenz des Tieres zu tun haben können.


    Unsere gemütliche Cleo beispielsweise ist ganz sicher vorwiegend triebgesteuert, wenn sie an ihren Rolligkeitstagen deutlich rastloser und umtriebiger ist als sonst; da wird dann auch gerne einfach mal lange ausgeschlafen. Im Vergleich dazu waren und sind Fritzi, Karlchen und Felix generell deutlich agiler und bewegungsfreudiger, und scheinen sich einfach ihres Lebens zu freuen.


    Cocos Verhalten hingegen gibt Anlass zum Nachdenken. Weder Ausruhen noch Herumrennen konnten Coco auslasten, dafür bildete sie regelrechte "Hobbys" aus. An sich ist es natürlich kein Wunder, wenn ein Nagetier nagt (z.B. Fußleisten und Tapeten :whistling: ), und ich würde darin keineswegs eine kulturelle Leistung sehen. Aber Cocos intensive Arbeiten, die ich im Laufe der Zeit kanalisieren und weitgehend auf ihr "Pappkarton-Atelier" beschränken konnte, waren doch bemerkenswert. Natürlich war es immer noch reines Augenzwinkern, das mich seinerzeit dazu gebracht hat, Cocos "künstlerische Werke" als solche hier im Forum darzustellen.


    Andererseits: so mancher Künstler fühlt sich geradezu obsessiv dazu genötigt, seine innersten Gefühle in Gestalt von Kunstwerken Gestalt annehmen zu lassen. Daran fühlte ich mich immer dann erinnert, wenn Coco nach längerem, lautstarken Nagen am Pappkarton damit aufhörte und auf dem Weg in ihr Auslauf-Domizil in einer Ecke haltmachte, dort kurz "überlegte" und nochmal zurück zum Pappkarton lief, um dort noch drei oder vier kleine Fetzchen herauszubeißen. Ich habe das in paarmal beobachtet. Was mag sie nur dazu angetrieben haben? Zugegeben: der Vergleich von Hamsterdame Coco mit einem Bildhauer mag reichlich weit hergeholt erscheinen und nun wirklich alleine im Auge des Betrachters existieren. Doch wer weiß wirklich, was da in Coco vorgegangen ist... :nixw:

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