Alltag Pflegestelle ?

  • Hallo,


    mich würde total interessieren wie es in euren Hamsterpflegestellen so zugeht. Was da alles dahinter steckt an Aufgaben, an die man als Hamsterendstation gar nicht so denkt. Oder auch wie so ein Prozess abläuft vom ersten Kontakt zum Vorbesitzer bis zur späteren Abgabe. Wie entschieden wird, welche Tiere nicht mehr in die Vermittlung kommen. Oder auch wie es ist, die Kleinen wieder gehen zu lassen.


    Ich finde es so großartig was ihr da leistet und ich glaube, ich fände es sogar noch großartiga, wenn ich hören würde, an was ich bisher alles gar nicht gedacht hab. <3


    Gibt es da Erzählungen, Links oder gerne auch neue Geschichten, die ihr mir verraten könnt?

  • Ich glaube, es steckt vor allem viel Bürokratie dahinter, mit der man nicht rechnet :D


    Die Abgeber wenden sich ja in der Regel an uns (privat, Tierheime oder auch mal andere Vereine - man lernt viele Menschen kennen), das Aufnahmeteam schaut dann, wer einen passenden Platz frei hat und knüpft den Kontakt.

    Dann klärt man mit den Abgebern, ob der Hamster gebracht oder abgeholt wird, holt ein paar Informationen zum Tier ein.

    Bei Aufnahme wird der Hamster gespottet, gewogen, kurz untersucht, kommt ins vorbereitete Gehege und man macht Fotos. In den nächsten Tagen wird für eine Kotprobe gesammelt.

    Dann startet der Papierkram: Eintrag der wichtigsten Daten in unsere Registrierungsliste, Akte anlegen, Fotos bearbeiten, Notfallticker schreiben, Steckbrief erstellen.


    Die Versorgung der Hamster unterscheidet sich nicht groß von privaten Hamstern, es sind evtl. nur mehr. Auslauf gibt es im Schichtbetrieb.


    Hamster, die schon alt sind oder krank und längerfristige Versorgung brauchen, bleiben als Dauerpfleglinge. Das wird immer im Team abgesprochen.


    Interessenten melden sich in der Regel per Mail bei den Vermittlungsstellen und man kontrolliert durch Fotos die Haltung.

    Wenn alles passt, wird die Abholung vereinbart.

    Mir persönlich ist es nie schwer gefallen die Pflegetiere wieder abzugeben. Ein neues Zuhause ist ja von Anfang an das Ziel und ich freue mich immer, wenn es klappt. Sonst wird es auf Dauer halt auch schwer Pflegestelle zu sein.


    Ansonsten... räumt man halt oft Gehege ein und aus und kauft Streu, Futter oder Zubehör in größeren Dimensionen ;)

    Liebe Grüße,
    Jacky

  • Wie ist das mit der Verwandtschaft, eigener Familie und Freunden? Eher ein "cool" oder ein "die ticken nicht richtig"?

    Susanne
    mit Om Nom und Agathe und mit Fussel, Coco und Radieschen ganz tief im <3

  • Die tägliche Versorgung in einer Pflegestelle ist wie bei eigenen Hamstern auch. Füttern, Toilette reinigen, Auslauf, kurzer Gesundheitscheck.

    Bei der Aufnahme und Vermittlung ist halt viel Papierkram, wir Tigerlilly ja schon schrieb.

    Und zwischendurch immer updaten.


    Mir fällt es nicht schwer die Pflegis wieder her zu geben. Meist kommen die in schön grosse Gehege und bekommen tolle Menscheneltern, die sich vorher informiert haben. Ich freu mich immer sehr. Auch wenn ich dann von der Nachbereitung Info erhalte, wie es ihnen ergeht.


    Verwandte und Bekannte schütteln oft den Kopf, aber dann erzähle ich ein paar Grusel Geschichten wie Troisdorf oder von den Hamstern, die durch den Briefkastenschlitz vom Tierheim gequetscht wurden und dann Knochenbrüche hatten... Dann sehen viele das gleich ganz anders.

    Einmal editiert, zuletzt von Nikkl ()

  • Wie ist das mit der Verwandtschaft, eigener Familie und Freunden? Eher ein "cool" oder ein "die ticken nicht richtig"?

    Die gewöhnen sich dran :D


    Meine Familie ist allgemein sehr tierlieb und hat mich immer unterstützt, vor allem meine Eltern und meine Schwester. Sie haben sich sogar schon Notgehege in die Bude stellen lassen, wenn ein Großnotfall anstand ;)

    Mein Papa hat immer Gehege und Einrichtung mit mir gebaut, meine Mama schon Hamster zum Tierarzt gebracht oder mal ein bisschen Geld zugesteckt.


    Ich bin seit fast 10 Jahren Pflegestelle für Hamster, in den letzten 2 Jahren kamen über den Winter Igel dazu und ein Kater, der beschlossen hat bei uns zu wohnen. Mein Mann zieht immer mit, auch wenn das Herz mal wieder den Verstand überstimmt und wir uns selbst einschränken, damit es den Tieren gut geht.


    Das ganze ist einfach fester Bestandteil meines Lebens und das akzeptiert jeder, der uns nahe steht, auch wenn er die Begeisterung vielleicht nicht ganz nachvollziehen kann. Aber so ist das doch mit sämtlichen Hobbys, in die man viel Zeit und Geld steckt.


    Über das Hamsterzimmer mit den ganzen Gehegen hat aber beim ersten Besuch schon jeder gestaunt :D

    "So viele Gehege? Und da ist immer nur einer drin?"

    Liebe Grüße,
    Jacky

  • Vielen Dank für eure Antworten! <3 Total spannend!


    Bastelt ihr viel? Man kann ja Holz nicht unendlich oft ausbacken, bis man es entsorgen muss, oder?

    Gibt es saisonale Stoßzeiten bei den Abgaben oder Anfragen?


    Könnt ihr noch mal in den Urlaub fahren?


    Wie lange seid ihr zuvor normale Hamsterhalter*innen gewesen?

    Was hat euch bewogen Pflegestelle zu werden?

  • Zitat

    Bastelt ihr viel? Man kann ja Holz nicht unendlich oft ausbacken, bis man es entsorgen muss, oder?

    Ich bastel schon einiges selbst, der Verschleiß ist einfach größer, vor allem bei Häusern und Ebenen.

    Manche Hamster pieseln alles voll oder zernagen ihre Sachen, das wird dann ausgetauscht. Wenn man alles ständig reinigt, sieht es auch schneller nicht mehr gut aus.


    Zitat

    Gibt es saisonale Stoßzeiten bei den Abgaben oder Anfragen?

    Ja, zu Urlaubszeiten, vor allem im Sommer, werden mehr Hamster abgegeben.

    Gleichzeitig vermittelt man weniger, weil die Leute erst einmal in den Urlaub fahren. Kurz nach den klassischen Urlaubszeiten steigen die Anfragen dann wieder an.

    Sonntags kommen auch oft viele Mails auf einmal. Oder um Weihnachten herum.


    Zitat

    Könnt ihr noch mal in den Urlaub fahren?

    Ja, das ist bei uns kein Problem. Wir haben Eltern, Schwiegeteltern und Nachbarn, die unsere Tiere gerne in der Zeit versorgen.

    Hamster, die Medikamente oder genauere Beobachtung brauchen, können dann bei einer Pflegestelle in der Nähe unterkommen. Die ist auch Ansprechpartner für die Hamstersitter, falls irgendetwas sein sollte.


    Zitat

    Wie lange seid ihr zuvor normale Hamsterhalter*innen gewesen?

    Was hat euch bewogen Pflegestelle zu werden?

    Etwa 3 Jahre. Ich war direkt begeistert, als ich auf die Hamsterhilfe stieß und wollte Pflegestelle werden, war aber zunächst noch zu jung ;)

    Also habe ich in der Zwischenzeit erst einmal die eigene Haltung ausgebaut, Hamster adoptiert und Erfahrung gesammelt.

    Liebe Grüße,
    Jacky

  • auch wenn ich zurzeit pausiere, kann ich ja trotzdem mal schreiben wie bei mir so der alltag war als ich noch pflegis hatte :) bin aber teil der Hamsterrettung nord, nicht der Hamsterhilfe nrw.

    Bei der Aufnahme von Tieren gibt es grob gesehen zwei Szenarien. Im einen schreiben die Vorbesitzer uns an, wir schauen ob jemand Platz hat, das Tier wird abgeholt oder gebracht und ein Abgabevertrag wird unterschrieben, mit dem die Vorbesitzer alle Rechte an dem tier an uns abtreten.

    Im zweiten Szenario hat eine Pflegestelle Platz und entdeckt in den Kleinanzeigen einen Notfall. Die Pflegestelle informiert dann meistens in verschiedenen Gruppen andere Pflegestellen, dass sie an dem Fall dran ist und schreibt die Anzeige an. Ich immer zuerst als Pflegestelle, da erkläre ich dass wir uns um Hamster kümmern, die ein neues Zuhause brauchen, sie nur in gute Hände vermitteln und hänge einen Link unserer Website an. Kommt darauf keine Antwort oder eine ablehnende Antwort, schreibe ich die Person mit einem anderen Account privat an und versuche das Tier so da rauszubekommen. Für einen kleinen Betrag kaufe ich ein Tier auch frei, aber das machen nicht alle Pflegestellen. Natürlich wird von Vermehrern nichts freigekauft, da das ein Fass ohne Boden ist und nur umso mehr tiere nachkommen werden. Das gleiche gilt für Leute die bereits bekannt dafür sind sich immer wieder tiere anzuschaffen und die dann wieder loswerden zu wollen.

    Ist das Tier dann bei mir (egal aus welchem Abgabeszenario) wird es zu allererst gespottet. Während das Spot-on einwirkt bereite ich die Quarantäne-Samla vor. Zur Anfangszeit meiner "Pflegestellenkarriere" habe ich das immer schon vorher gemacht damit ich sehen konnte ob alles passt oder ich auf die schnelle noch ein etwas kürzeres Sandbad oder eine kleine Ebene bauen musste.

    Nach der Einwirkzeit des Spot-ons kommt das tier in die vorbereitete Samla im Bad, nachdem ich schnell einmal geschaut hatte, ob es ein männchen oder weibchen ist, und einen kleinen Gesundheitscheck gemacht habe. Nach jedem Kontakt mit dem Tier ist gründliches Händewaschen angesagt, ich verhalte mich bei jedem neuen Tier so, als hätte es alle Parasiten die es haben kann, bis das kotprobenergebnis negativ ist.

    3-5 Tage nach dem Einzug wird kot gesammelt. Ich habe immer mehrere Kotprobenröhrchen vom Tierarzt zuhause. Da meine Tierärztin den Kot selbst untersucht und nicht an ein Labor schickt, bekomme ich das Ergebnis meistens noch am selben Tag. Positive Ergebnisse werden behandelt bis ein negatives Ergebnis vorliegt.

    Bei einem negativen Ergebnis kommt das Tier in ein Pflegegehege mit Mindestmaßen, falls eines frei ist. Weibchen sitzen vorher noch ihre Trächtigkeitsquarantäne in der Samla ab. Wenn kein Pflegegehege frei ist bleibt es in der Samla bis es vermittelt ist oder ein Pflegegehege frei ist.

    Anfragen für ein Tier kommen normalerweise entweder über die Website, über facebook oder über ebay Kleinanzeigen rein. Manchmal wird sich auch in einer Hamstergruppe auf Whatsapp in einen Pflegi verliebt.

    Meistens gibt es bei den Anfragenden noch Verbesserungsbedarf oder es fehlt noch ganz viel. Bereits komplett artgerechte Gehege sind selten. Daher bin ich immer etwas erleichtert wenn die Interessenten sagen, dass sie noch nichts für den Hamster haben. Dann kann ich gute Tipps geben und die Interessenten müssen nichts doppelt kaufen oder was wegwerfen. Nicht in jedem Fall sind die Interessenten bereit ein artgerechtes Gehege zu schaffen. Da klappt es dann natürlich nicht mit der Vermittlung. Wenn für mich absehbar ist, dass das mit dem artgerechten Gehege klappen wird, darf der ausgesuchte Hamster reserviert werden. Wenn alles fertig ist, wird ein Abholtermin ausgemacht, das Tier wird abgeholt, der Schutzvertrag unterschrieben und die Schutzgebühr bezahlt (sofern das bei der Reservierung nicht schon erledigt wurde). Ich freue mich immer, Updates zu bekommen wie es dem Tier geht. Auch wenn das Tier gestorben ist möchte ich davon erfahren. Auch wenn ich niemanden zwingen kann dann bescheidzusagen. Auch bei Krankheiten weiß ich gerne wenn das tier irgendwann was hat. Manchmal nimmt man ja mehrere verwandte tiere auf oder es gibt einen Wurf und wenn man dann von mehreren die rückmeldung erhält, dass das tier irgendwann eine bestimmte krankheit entwickelt hat, kann man die Adoptanten der verwandten Tiere informieren und auf die Symptome sensibilisieren, damit dort die Krankheit frühzeitig erkannt werden kann.

    Zum Alltag selbst: morgens bekommen diejenigen Tiere Medis, die zweimal täglich was brauchen. Nach der Arbeit sind die Parasiten-Samlas dran, wenn es gerade positive tiere gibt. Später am Abend füttere ich, wechsle das Wasser und gebe Medikamente an die tiere, die einmal täglich oder zweimal täglich was brauchen. Auch hier, wer kein negatives Kotprobenergbnis hat, wird mit allergrößter Vorsicht behandelt. Wenn ein Pflegi wach ist, wird ordentlich Fotos gemacht und mit Bestechung gearbeitet, damit das Tier möglichst zahm wird. Bei den Zwergen überprüfe ich nach negativem Kotprobenergebnis auch die Trinkmenge. Wenn die schon vom ersten Tag an auffällig aussieht, überprüfe ich die da bereits, allerdings nur mit einer feinwaage, denn Spritzen desinfizieren ist immer blöd.


    Tiere über 1 Jahr haben meistens ganz schlechte Vermittlungschancen. Bei einem besonders hübschen Tier mit tollem Charakter kann man das trotzdem versuchen, aber wenn es dann bei 1 Jahr Alter noch Standartfarben hat, beißt oder phantomhaft unterwegs ist hat es meist keine Vermittlungschance. Solche Tiere nehmen wir nur auf, wenn sich eine Pflegestelle bereit erklärt das Tier als Endstelle aufzunehmen, oder wenn es gerade so beschissen lebt, dass selbst eine Samla eine große Verbesserung wäre und absehbar ist, dass in den nächsten Wochen ein Endstellengehege frei wird.


    Pflegis abzugeben finde ich nicht schwer, sie kommen ja in gute Hände. Sie sind während sie hier sind Gäste. Eigene Tiere sind Familie. Die könnte ich nicht abgeben. Zu eigenen Tieren lasse ich von Anfang an eine tiefe Bindung zu, bei Pflegis rufe ich mir immer wieder ins Gedächnis, dass sie nur vorübergehend bei mir sein werden. Bleiben Pflegis sehr lange, ohne dass sich Interessenten finden lassen, die bereit sind ein artgerechtes Gehege zu schaffen, beschließe ich meistens irgendwann, dass das Tier bei mir bleibt. Dann ist das tier meistens auch schon ein Jahr alt. Oft bekommt es dann noch ein größeres Gehege, sofern es nicht schon in einem Pflegegehege mit Mindestmaßen lebt und dort völlig zufrieden ist. Oder eine andere Pflegestelle die einen Endstellenplatz frei hat schreibt mich an weil ihr aufgefallen ist, dass das tier schon sehr lange sucht und nun eigentlich schon so alt ist, dass eine Endstelle angebracht wäre.


    Ein Teil der Verwandschaft denkt, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank und wäre völlig verrückt geworden, mir mehr als ein Tier ins Haus zu holen oder gar Geld für eine Op eines Hamsters auszugeben. Der Rest der Verwandschaft versteht auch nicht so richtig was ich an den Tieren finde, akzeptiert aber dass sie mir wichtig sind und man sich bei einem Besuch bei mir jeden Hamster ansehen muss der auf die Idee kommt tagsüber das Nest zu verlassen. Der Freundeskreis findet es klasse dass ich den Tieren helfe. Eine Freundin kommt immer gerne vorbei wenn sie weiß dass neue Pflegis einziehen, half auch schonmal Samlas einzurichten und ist immer ganz entzückt wie die kleinen das erste mal ihre Samla erkunden


    Sandbäder, Buddelkisten, Ebenen und Holzverstecke baue ich selbst. Nach mehrmaligem Ausbacken werden die Sachen schon eine Spur dunkler. Die Sachen, die nicht mehr oft benutzt werden können, stelle ich bevorzugt in Gehege von Randalehamstern. Wenn die eh mal was kaputtmachen, kann es ja besser eine alte Buddelkiste oder ein altes Versteck sein als ein ganz neues. Ungeschicklichkeit meinerseits fordert auch ihren tribut, das betrifft aber vor allem Keramikverstecke und Näpfe.


    Vor und zu beginn der Sommerferien sowie ein paar wochen nach Weihnachten werden mehr Tiere abgegeben. Vor und zu beginn der Sommerferien gibt es auch weniger Anfragen, dafür habe ich am ende der sommerferien und danach auch etwas mehr Anfragen, weil Leute erst in den Urlaub fahren wollen bevor sie einen Hamster aufnehmen.


    Ich selber fahre nur sehr selten in den Urlaub, aber wenn, dann habe ich in meinem Freundeskreis eine, die sich um die tiere kümmern kann und auch Medikamente geben könnte. Nur Parasitenbehandlungen kann sie wegen dem körperlichen Putzaufwand nicht. Ich kenne aber auch eine Pflegestelle, die recht regelmäßig im Urlaub oder geschäftlich unterwegs ist. Sie hat auch jemanden, der sich in der Zeit zuverlässig um die Tiere kümmert.


    Weiter gehts im nächsten post, da man wohl nur 10.000 Zeichen in einen post packen darf :rotwerd:

  • Bevor ich Pflegestelle war, war ich gar nicht so lange normale Halterin, ich hatte aber schon viel Erfahrung mit Ratten, was sich in medizinischen Fragen überwiegend auf Hamster übertragen lässt (aber vorsicht, nicht alles ist gleich). Mein erster Hamster (Ginny) kam selbst von einer Pflegestelle. Da wollte ich ein junges, anfängergeeignetes Tier. Als mir auffiel, dass da ja noch platz für ein weiteres Gehege ist, habe ich schon bei den Abgabetieren geschaut, dass ich mich für ein Tier bewerbe, das schlechte Vermittlungschancen hat. Das hatte ich der Pflegestelle gegenüber auch in nem Nebensatz erwähnt. Einige monate später schaffte ich mir ein Hochbett an, sodass darunter zwei 150x50 Gehege und ein kleines Sofa Platz fanden. Das hatte ich in einer Hamstergruppe auf whatsapp erwähnt, in der auch Pflegestellen sind und eine hatte sich noch an meinen zweiten Hamster erinnert (dass ich da schon extra ein tier mit schlechten Vermittlungschancen auswählte) und fragte mich, ob ich nicht lust hätte offiziell Endstelle für diese Hamsterhilfe zu werden. Da hab ich natürlich zugesagt und es zogen Hamster nr 3 und 4 ein, ein einjähriges Randaletier und ein einjähriger bissiger Zwerg, der bei einer anderen Pflegestelle vorher operiert wurde.

    Einige weitere Wochen später fand ich etwas Platz für mein erstes Pflegegehege und von da an fand ich immer mehr Wege, meinen vorhandenen Platz effizient zu nutzen und dann am ende einige Pflegeplätze anbieten zu können  aktuell pausiere ich, da meine Nachbarn wegen einem Streit mit meinen Eltern (den Vermietern) anfingen mir zu drohen und ich daher mit all meinen Tieren vorübergehend zu meinen Eltern gezogen bin unter der Voraussetzung, dass solange ich dort bin keine weiteren Tiere einziehen, auch wenn Gehege frei werden.



    Was bewog mich, Pflegestelle zu werden? Zunächst einmal natürlich der Tierschutzgedanke. Tieren zu helfen, aufpäppeln, vermitteln und Halter aufklären. Meine Haustiere, sowohl die Ratten als auch die Hamster, sind ein wichtiger Teil meines Lebens, ein Ausgleich zu Arbeit und Studium und eine unerschöpfliche Quelle an niedlichen und witzigen Situationen. Die unterschiedlichen Charaktere und die ersten kleinen Vertrauensbeweise eines Tieres mit schlimmer Vergangenheit sind schön mitzuerleben. Sehen, wie der große Goldi, der zuvor ein Rad hatte das kleiner ist als er selbst zum ersten Mal in einem artgerechten Laufrad rennt und gar nicht aufhören will. Wie das Tier, das sonst nur Pellets kannte mit Neugier sein Erlebnisfutter untersucht.


    Wichtig ist, dass man nur dann ein Tier rettet, wenn man sich auch darum kümmern kann. Man muss immer davon ausgehen, dass das angebliche gesunde Männchen auch ein krankes, trächtiges Weibchen mit Parasiten sein kann, um mal den Extremfall zu nennen. Wenn man keine Zeit hat um wenn nötig eine Parasitenbehandlung mit zeitaufwändigem reinigen durchzuführen oder kein Geld hat falls das Tier krank ist und eine Op benötigt, sollte man es nicht aufnehmen. Bei einer Trächtigkeit hat man ja das Auffangnetz aus anderen Pflegestellen der eigenen Hamsterhilfe und weiteren bekannten Pflegestellen, da ist es natürlich wichtig dass man im falle eines Wurfes schnellstens alle informiert, sodass dann ein paar wochen später auch genug Plätze da sind. Eine private Pflegestelle oder Privatperson ohne größeres Netz an Kontakten zu anderen Pflegestellen sollte aber genug Platz haben, um im falle eines Wurfes die meisten Tiere selbst unterbringen zu können, oder im Vorfeld mit einer Hamsterhilfe abstimmen ob die im falle eines Wurfes helfen können. Und zwar bevor man das Tier rettet 

    Möchte man helfen, hat aber selbst nicht die Möglichkeit ein Tier zu retten, kann man Hamsterhilfen auch finanziell oder durch Fahrten unterstützen, das hilft oft schon sehr 


    So, wenn ich nichts übersehen habe müsste ich alle Fragen beantwortet haben (und vielleicht auch ein paar die gar nicht gestellt wurden  )

  • Ein ganz großes Danke für diese ausführliche Info!

    Ich denke, neben dem eigenen Herzblut ist ein ganz wichtiger weiterer Punkt ein guter Tierarzt, der auch hamstererfahren sein sollte und im Notfall auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten erreichbar ist.

    Susanne
    mit Om Nom und Agathe und mit Fussel, Coco und Radieschen ganz tief im <3

  • Ja, von mir auch nochmal ein ganz großes Danke!


    Dass es Endstellen gibt, wusste ich zum Beispiel noch nicht. :)


    Mein erster Hamster war auch schon über 1 Jahr alt, als sie von der Pflegestelle kam. Mir war gar nicht bewusst, dass sie damit schon schwer vermittelbar war.

  • Huhu,

    Ich bin private Pflegestelle und kümmere mich mit meiner "Hamster-Rettungsinsel Bodensee" um Hamster in Süddeutschland. Hauptsächlich konzentriere ich mich auf die Region um den Bodensee, aber oftmals decke ich einen größeren Umkreis bis fast hoch nach Stuttgart ab. Vereinzelt auch noch darüber hinaus, je nach Dringlichkeit eines Notfalls. Ich bin eine recht kleine Pflegestelle, da ich jedem einzelnen Tier gerecht werden möchte. Hier werden grds. keine Hamster wochen- oder monatelang in Samlas geparkt, jeder Hamster hat mindestens 0,5 Quadratmeter für sich und bekommt nach Ablauf der Quarantäne-Zeit auch Auslauf. Das braucht Platz und Zeit, weshalb ich gerne nur 2-3 Pflegis gleichzeitig habe. Zusammen mit meinen eigenen Tieren bleibt dann noch genug Zeit und Aufmerksamkeit für alle übrig. Meine persönliche Grenze liegt bei 7 Hamstern, alles darüber nur im Notfall. Der Hauptunterschied zu Pflegestellen innerhalb einer Hamsterhilfe dürfte wohl sein, dass man ohne Backup-Plan agiert und alles selbst stemmt. Es ist etwas weniger Bürokratie involviert und man entscheidet selbst, wann man wieviele Hamster aufnimmt. Dafür muss man aber alles alleine bewerkstelligen, hat einen geringeren Bekanntheitsgrad und finanziert die PS großteils selbst statt von Spenden. Trotzdem bin ich natürlich mit anderen Pflegestellen vernetzt, bei größeren Notfällen (außer Kontrolle geratene Gruppenhaltung o.ä.) teile ich mir Pflegis teils auch mit "Hamster in Not" und "Hamster in Not Schweiz" auf.

    Meine Pflegis dürfen deutschlandweit und auch in die Schweiz in ihr neues Zuhause ziehen. Die Hamsterhaltung begleitet mich schon seit vielen Jahren, getreu dem Motto "Ein Leben ohne Hamster ist möglich, aber sinnlos". Lange Zeit waren es allerdings immer nur eigene Liebhabertiere und meine Tierschutzarbeit erstreckte sich auf klassischere Felder (streunende Hunde und Katzen versorgen, Gassigehen im Tierheim, etc.). Dabei haben Hamster keine große Lobby wie Hunde und Katzen, oftmals kennen sich leider selbst Tierheime nicht mit der artgerechten Hamsterhaltung aus und halten dort abgegebene Hamster in zu kleinen Käfigen oder füttern mangels besserem Wissen diabetesgefährdeten Zwerghamstern Getreide. Was lag da näher, als den kleinen plüschigen Nachteulen eine Stimme geben zu wollen und sich für sie einzusetzen? Seit 2016 habe ich daher eine kleine, private ehrenamtliche Pflegestelle für Hamster. Die Kosten für Futter, Gehege, Tierarztkosten, etc. zahle ich aus eigener Tasche. Ein teures "Hobby" und es gibt genug Leute, die mich und mein Engagement belächeln, auch innerhalb der Familie - aber wenn man sieht, wie ein verstörter Hamster langsam auftaut und anfängt, das Leben zu genießen, ist das die beste Bestätigung, nicht aufzugeben. Ich habe kein getrenntes Hamsterzimmer, die Hamster leben im Wohn- u. Schlafzimmer. Jeder Hamster, der hier einzieht, wird ganz genau beobachtet und ggf. gegen Endo- u. Exoparasiten behandelt. Kranke Tiere pflege ich gesund, ehe sie sich auf die Suche nach einem neuen Zuhause machen. Weibchen sitzen vor ihrer Vermittlung zudem eine Schwangerschaftsquarantäne ab, damit bei der Vermittlung eine Trächtigkeit ausgeschlossen ist.

    Mein erster Hamster war auch schon über 1 Jahr alt, als sie von der Pflegestelle kam. Mir war gar nicht bewusst, dass sie damit schon schwer vermittelbar war.

    Das sieht auch jede Pflegestelle wohl etwas anders, sicherlich variiert es auch von Region zu Region. Die meisten meiner erfolgreich vermittelten Pflegis dürften um 1 Jahr alt und älter gewesen sein. Es gibt auch gar nicht so selten Hamster, bei denen die vorherigen Halter gar nicht sagen können, wie alt der Hamster überhaupt ist. Da ist dann alles zwischen 6 Monaten und 2 Jahren denkbar. Tendenziell haben die ausgewachsenen Tiere hier eher geeignete Anfragen als Jungtiere. Jungtiere scheinen mit ihrem Babyface und Niedlichkeitsfaktor eher solche Anfragen anzuziehen, bei denen Leute unüberlegt einen Hamster anschaffen wollen, weil er so süß ist - ohne die Abgabebedingungen zu erfüllen. Zwischen 1,5 und 2 Jahren beginnt je nach Hamster die Grenze, wo sie eher Dauerpflegis als Pflegis werden. Beginnt man, dem Hamster anzusehen, dass er nicht mehr der Jüngste ist und langsam Alterszipperlein entwickelt, braucht er natürlich kein weiteres Mal umzuziehen und bleibt als Dauerpflegi bei mir. Ich vermittle nur Hamster, von denen ich mir sicher bin, dass sie gesund sind, nicht trächtig und fit genug für einen Umzug in ein neues Zuhause. Senioren und chronisch kranke Tiere bleiben bei mir und werden grds. nicht vermittelt. Die Abgabe fällt mir mal leichter, mal schwerer. Wenn mich ein Hamster komplett um die Pfoten wickelt, kann es auch mal passieren, dass er bei mir bleibt :whistling:

    Ich gebe mein Bestes, Interessenten so zu beraten, dass sie den Hamster finden, der am besten zu ihnen passt. Dazu zählen neben Berichten über das Verhalten auch aktuelle Fotos und ggf. Videos. Auch nach der Vermittlung stehe ich weiter mit Rat und Tat zur Seite. Es freut mich, dass sogar schon Leute aus Norddeutschland quer durchs Land gefahren sind, um ihr Haustier bei mir persönlich abzuholen :) Erst gestern habe ich Fotos von einem süßen Omi-Hamsterschnütchen geschickt bekommen, die ich als Jungtier vermittelt hatte und die gestern die 2,5-Jahres-Marke feierte :hamsterknuddeln:

  • Aww, :love: das ist dann doch eine wundervolle Bestätigung der Arbeit. 2,5 Jahre ist wirklich toll.

    Susanne
    mit Om Nom und Agathe und mit Fussel, Coco und Radieschen ganz tief im <3

  • scheint ja größere Unterschiede zu geben was die Vermittlungschancen angeht. Jungtiere bekommen meiner Erfahrung nach deutlich mehr Anfragen als ältere Tiere. Ich konnte aber bisher nicht die Erfahrung machen, dass die Interessenten dort nicht so oft ein artgerechtes Zuhause bieten können wie bei Anfragen für erwachsene Tiere. Eher noch konnte ich solche Unterschiede bei der Herkunft der Anfrage feststellen. Von ebay kleinanzeigen kommen überwiegend schlimme Anfragen von Leuten, die der festen Meinung sind ein Gitterknast würde ausreichen. Über die Kontaktfunktion der Website kommen im schnitt die besten Anfragen. Was ja auch sinn macht, die Leute haben sich dort dann ja meist schon informiert.

    Bei uns entscheidet übrigens auch jede Pflegestelle selbst ob, wie viele und welche Hamster sie aufnimmt. Auch wenn es nur ein Pflegeplatz ist, ist das ok. Es hat ja jeder andere Kapazitäten was Geld, Zeit, Platz und Energie angeht.

    Viele Pflegis bekommen hier schon recht bald nach der Vorstellung auf der Website und auf social media eine Anfrage durch Interessenten. Die Zeit, die Beratung und das Schaffen eines artgerechten Geheges dauert, ist meistens länger, so geschätzt drei oder vier wochen sind üblich, aber es gibt auch große Abweichungen nach oben und unten. Manche Pflegis warten aber sehr lange auf eine Anfrage, bei manchen kann man dafür Gründe erkennen (randalig, phantom, beißt, bereits mehrere monate alt) bei anderen gar nicht.

  • Eher noch konnte ich solche Unterschiede bei der Herkunft der Anfrage feststellen.

    Das auf jeden Fall auch. Wer schon auf der Homepage gestöbert hat oder in einem der beiden Hamsterforen schonmal einen Überblick gewonnen hat, wie artgerechte Haltung aussieht, ist meist schon besser vorbereitet und hat die Vermittlungsbedingungen zumindest schon einmal überflogen. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Über die Kleinanzeigen muss man viel Quatsch aussortieren, wobei sich das lohnen kann, da ich über die Kleinanzeigen auch schon Top Adoptanten gefunden habe. Die Zahl der miesen Anfragen über die Kleinanzeigen hat allerdings deutlich abgenommen, seit ich dort im Text deutlich mache, dass eine Vermittlung ausschließlich stattfindet, wenn sämtliche Vermittlungsbedingungen vollständig erfüllt sind. Vermittlungsbedingungen sind eben der absolute Mindeststandard und kein bloßes Nice to have. Manchmal kommt auch noch solch ein Zusatz dazu: "Bitte beachtet, dass es sich nicht um einen Kühlschrank, sondern um ein fühlendes Lebewesen handelt, Anfragen a la "Was letzte Preis" oder "Kann ich gleich abholen kommen, ich brauche noch ein Ostergeschenk" werden nicht beantwortet. Tiere sind keine Ware und Hamster sind zwar klein, haben aber dennoch hohe Ansprüche an ihre Haltung."

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