Notfall 19.12.2022: das allgegenwärtige Leid von Labortieren…

  • Wer uns schon länger verfolgt weiß, dass wir mehr oder weniger regelmäßig Hamster aus einem Versuchslabor übernehmen. Heute war es wieder soweit und 44 Hamster haben den Weg in die Freiheit und ein neues, glücklicheres Leben gefunden!

    Manche von Ihnen sind schon älter und mussten ihr gesamtes „Leben“ in einer winzigen Makrolon-Gitterbox mit der Größe eines DIN A5 Blattes verbringen.

    Ohne Streu, ohne Laufrad – ohne groß‘ Bewegungsmöglichkeit. Unvorstellbar traurig, vor allem wenn man bedenkt, dass Hamster aktive, bewegungsfreudige Tiere sind, die in der freien Wildbahn längere Strecken zurücklegen. Für wie viele Tierversuche die meisten von Ihnen missbraucht wurden, werden wir nicht erfahren.



    Es gibt verschiedene Arten von Tierversuchen. Die bekanntesten sind sicherlich die sogenannten regulatorischen Versuche. Hierbei werden Chemikalien, Pestizide aber auch Medikamente für die Zulassung dieser Produkte an Tieren getestet.

    Aber auch Translationale und angewandte Forschung, die einen großen Teil der Tierversuche ausmacht, ist dem ein oder anderen vielleicht ein Begriff. Hierunter fallen Tests für die Medikamenten-Entwicklung. Tiere dienen z.B. schon seit Jahrzehnten als „Krankheitsmodelle“ z.B. in der Krebsforschung. Tiere, an denen medizinische Tests durchgeführt wurden und die während der Versuche selbst nicht grausam verstorben sind, werden am Ende der Testreihe „vernichtet“


    Die Hamster, die wir aufnehmen, haben wohl „Glück gehabt“, denn an Ihnen wurde ausschließlich Verhaltensforschung durchgeführt. Hierbei stehen das Verhalten und insbesondere das Entstehen von Verhaltensmustern im Vordergrund.

    Unterm Strich bleiben Tierversuche jedoch allesamt eins: Tierquälerei!


    In Deutschland gibt es noch rund 700 Tierversuchslabore und das, obwohl aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht Tierversuche gegenüber tierversuchsfreien Methoden immense Nachteile haben. Allein die Versagensquote von Tierversuchen ist alarmierend. 95% aller in Tierversuchen und für sicher und wirksam befundene Arzneimittel scheitern beim Test in der klinischen Prüfung, in der die Wirkstoffe erstmals am Menschen getestet werden.

    Der Hamster wurde im Jahr 2022 sogar zum Versuchstier des Jahres ernannt – insbesondere auch deshalb weil allein in diesem Jahr fast 11.000 Hamster für die SARS-CoV-2-Virus-Forschung eingesetzt wurden.


    Die „Laboris“ wie wir sie nennen, sind für uns Pflegestellen etwas Besonderes und solcherlei Aufnahmen doch emotionaler, wie vielleicht andere. Wenn ein ehemaliger Laborhamster das erste Mal Sand unter den Pfötchen spürt, das erste Mal ein Laufrad in Bewegung bringt geht einem einfach das Herz auf.


    44 Hamster durften heute die doch etwas weitere Reise nach Nordrhein Westfalen antreten.

    Zurück im Labor bleiben jedoch eine große, unbekannte Anzahl weiterer Fellnasen.

    Wir sind dankbar, dass uns das Versuchslabor immer wieder Tiere überlässt aber sagen dennoch ganz klar #neinzutierversuchen!


    Viele Grüße
    dein Hamsterhilfe NRW e.V. Team

  • Tierversuche sind für Menschen allgemein nur bedingt aussagekräftig. Ein Mittel, das bei Tieren so anschlägt, kann beim Menschen ganz anders anschlagen- siehe Contergan.

    Immerhin die Kosmetikindustrie rückt mehr und mehr davon ab.

    Zellkulturen werden mittlerweile in der Medizin verwendet. Wenn das das ist, was ich denke, was es ist, ist es wesentlich genauer und wird deshalb sogar statt Tierversuchen empfohlen. Kostenpunkt weiß ich nicht und warum auch immer bewegen sich die Verantwortlichen nicht.

    Damit könnte viel, viel Tierleid vermieden werden und wir hätten sogar noch bessere Ergebnisse.

  • An den Hamstern die wir aufnehmen werden keine Produkte getestet. Tiere an denen Versuche mit Produkten stattfinden verlassen das Labor nicht lebend.

    "Unsere" Laborhamster wurden für die Verhaltensforschung gebraucht.

    Liebe Grüße von Gudrun,


    Fuju :hamstern: und Ahan :hamsterzwinkern:

    und schon einigen süßen Fellnasen im Herzen.

  • Genau, die Hamster, die wir bekommen, wurden nicht für Medikamententests gebraucht.

    Sie sind entweder Zuchttiere, die nicht mehr gebraucht werden, überzählig/zu viel gezüchtet oder werden vor allem zur Lehre genutzt.

    Das heißt, Teilnehmer lernen, wie man mit den Tieren im Labor umgeht oder Versuche aufbaut und durchführt, dabei handelt es sich dann meist um einfache "Verhaltensforschung", also Beobachtungen.


    Es werden noch immer für zahlreiche Forschungszwecke Tierversuche gemacht und an ihnen Medikamente oder ähnliches getestet, aber diese Tiere verlassen das Labor in der Regel nicht mehr.

    Es gibt mittlerweile einige Alternativen zu Tierversuchen, die aber oft aus Kostengründen nicht angewendet werden. Das Thema ist recht komplex, aber wird zum Beispiel vom Verein "Ärzte gegen Tierversuche" gut aufgearbeitet.

    Die Seite ist auf jeden Fall sehr lesenswert: https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/

    Liebe Grüße,
    Jacky

  • Ich will ganz sicher keine Lanze brechen für Tierversuche, aber es liegt nicht alles nur an Pharma und Geld. Leider werden für die Marktzulassung von Behörden immer noch Tierversuchsreihen bei der Erforschung von Medikamenten gefordert, meist sogar an mindestens zwei Arten von Tieren.

    Hoffentlich können mit Einsatz von Zellkulturen und immer besser werdenden Computersimulationen immer weniger, idealerweise gar keine Tierversuche mehr erforderlich sein.


    Handelt es sich bei den Laboris bei der HH eigentlich immer um MiHa oder gibt es auch Zwerge?

    Susanne
    mit Agathe und mit Fussel, Coco, Radieschen und Om Nom ganz tief im <3

  • Handelt es sich bei den Laboris bei der HH eigentlich immer um MiHa oder gibt es auch Zwerge?


    Es sind zum überwiegenden Teil MiHas. In ganz seltenen Fällen bekommen wir auch mal artreine Dsungaren.

    :kerze1: Für immer in meinem Herzen: Fine (Dsungarin), Sheela, Malya, Nalin, Yumi, Tuuli, Fiete und Poncho (Robos), Miss Sherlock und Käpt'n Migues (Hybriden)

  • Wenn alles klappt, kann ich am Wochenende ein großes Terra bekommen und kann somit bald einen der Labories dauerhaft aufnehmen.


    Ich freue mich darauf. Unsere Buffy (Hybrid-Dame von der HH) fühlt sich wohl und ich denke, ich kann einem der Labories noch eine schöne Zeit bereiten.


    Es ist eine komplexe Sache mit den Tierversuchen. Vieles ist. eine Sache des Geldes oder von „haben wir immer schon so gemacht“ bis hin zu dem Thema: „Wie setzt man überhaupt ein Forschungsprojekt auf?“ In jedem Fall gehts den Tieren nicht so gut, da sie nicht den Platz haben, um annähernd artgerecht leben zu können. Somit ist es schon eine gute Sache, ihnen die zweite Lebenshälfte schön zu machen …

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